Eduard Limonow zu vier Jahren Gefängnis verurteilt
Dr. Thomas Grumke

Der russische Querfrontler und Kopf der "Nationalbolschewistischen Partei" (NBP), Eduard Limonow, wurde am 15. April im südrussischen Saratow wegen versuchter Bildung eines bewaffneten Haufens, der Planung terroristischer Anschläge und des illegalen Waffenbesitzes zu vier Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Gleichzeitig wurde eine Anklage wegen versuchten Putschversuchs gegen Limonow und den Gründer des einschlägigen Journals "Limonka", Sergey Aksyonow, fallen gelassen. Weitere vier Anhänger Limonows wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Limonow und sein Gefolgsmann Aksyonow waren bereits im April 2001 in der russischen Republik Altai festgenommen worden. Vier weitere Personen wurden in Saratow und Ufa bei dem Versuch verhaftet, sechs Maschinengewehre und 157 Runden Munition zu erwerben. Einer der Anhänger Limonows sagte später aus, dieser hätte den Kauf der Waffen angeordnet. Die Anklage behauptet, der Parteiführer habe vor zwei Jahren geplant, die Macht in einer der ehemaligen Sowjetrepubliken mit Waffengewalt an sich zu reissen, um dort ein "zweites Rußland" zu errichten. Die Nationalbolschewisten planten demnach ebenfalls terroristische Aktionen im nördlichen Kasachstan mit Hilfe eines als Bob Denar bekannten Franzosen.

Eduard Limonows Lebensgeschichte ist voler bizarrer Episoden. Geboren als Eduard Savenko nahm dieser das Pseudonym Limonow (eine Abwandlung des russischen Worts für Zitrone) an. Die Parteizeitung "Limonka" bezieht sich sowohl auf diesen Namen und bedeutet Handgranate. Der heute knapp 60-jährige Limonow wurde 1974 aus der Sowjetunion verwiesen und begab sich als schon damals bekannter Avantgardepoet zuerst in die USA, dann nach Frankreich. Dort wurde ihm ein gewisser literarischer Erfolg zuteil und bis heute hält Limonow die doppelte russisch-französische Staatsbürgerschaft.

Während der 1990er Jahre wurde der Name Limonow jedoch immer mehr mit radikaler Politik anstatt mit Literatur verbunden. Nach seiner Rückkehr nach Rußland 1992 und einem vergeblichen Versuch in die Duma gewählt zu werden, schloß sich der Dichter kurzzeitig Wladimir Schirinowskis ultrarechter "Liberaldemokratischer Partei" an, bevor er 1993 die "Nationalbolschewistische Partei" gründete mit dem obersten Ziel der Revitalisierung Leninscher Politik. Anstatt durch Wahlerfolge fiel die Partei aber durch öffentlichkeitswirksame Zwischenfälle auf. Im November 2002 bewarfen z.B. zwei Nationalbolschewisten den NATO-Generalsekretär Robertson auf einer Tagung in Prag mit Tomaten. "Diese Partei", schrieb Wladimir Kaminer am 19.2.2003 in der taz, "sah am Anfang aus wie eine große Rockband: Szenekünstler, sich langweilende Söhne aus guten Familien, die für eine lustige politische Provokation immer zu haben waren, und Töchter, die Limonow attraktiv fanden". Diese eher verniedlichende Beschreibung sollte nicht über den revisionistisch-ultranationalistischen Charakter der Ideologie Limonows hinwegtäuschen.

So stößt Limonow auch in Deutschlands Rechter auf Interesse. In der Ausgabe 15/2000 führte ausgerechnet der neurechte "Welt am Sonntag"-Redakteur Heimo Schwilk für die "Junge Freiheit" ein Interview mit dem Russen u.a. über Tschetschenien und Präsident Putin. Hier gab Limonow unumwunden zu: "Natürlich sind wir Revolutionäre. Wir vereinigen Kommunismus und Nationalismus, die untrennbar zusammengehören. Das Ziel unserer Organisation ist es, die herrschende politische und ökonomische Klasse zu beseitigen. Hierzu werden tiefe Einschnitte erforderlich sein. Die alte Nomenklatur, die die ökonomische Macht an sich gerissen hat, liegt wie ein Schimmelpilz über dem Land". Auf die wichtigsten Punkte seines politischen Programms angesprochen, sagte Limonow ebenso offen: "Wir wollen an die Macht. Danach werden wir den Reichtum der Kapitalisten auf das notleidende Volk umverteilen. Das Elend außerhalb der großen Städte ist unvorstellbar. Desweiteren müssen die Grenzen Rußlands neu gezogen werden. Russisch besiedelte Gebiete, wie Ost-Estland oder Nordkasachstan, müssen zurückgeholt werden". Unwidersprochen fuhr er fort: "Nur eines ist gewiß: Der Westen wird früher oder später kollabieren, und wir werden unsere Revolution verwirklichen. Denn unsere Bewegung hat die Jugend. Und wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft".

Russischen Berichten zufolge schrieb Limonow sieben Bücher während seiner knapp zweijährigen Untersuchungshaft. Wenn er diesen erstaunlichen Schreibfluß beibehalten kann, kann sich die Welt in den kommenden vier Jahren Haft auf eine größere Zahl weiterer Limonow-Erzeugnisse gefasst machen.